Logotherapie & Existenzanalyse – Die 3. Dimension in der therapeutischen Arbeit

Der Weg zum Werk von Viktor E. Frankl - Teil 3

Logotherapie & Existenzanalyse will dem Klienten behilflich sein, die in ihm vorhandenen positiven, lebenstragenden und lebensbejahenden Gefühlskräfte soweit wie möglich wieder erfahrbar zu machen. Wieder, weil sie zwar in allen Menschen vorhanden sind, aber durch lebenshistorische Umstände und Ereignisse oder typologische Gegebenheiten überlagert und verdeckt sein können. Diese positiven Gefühlskräfte nennt die Logotherapie „geistige Gefühle“.

Konkret versteht sie darunter z.B. die Liebe zu sich selbst, Selbstannahme, Liebe zum Anderen, innere Freiheit, Verantwortung, unspezifische Hoffnung, Vertrauen, Geborgenheit im Leben, Freude, Güte, Weisheit, Lebensmut u.v.m. Insbesondere durch die Wiederentdeckung von Freiheit und Verantwortung als wichtige Werte im Leben, vermittelt die Logotherapie dem Klienten, dass er – auch in der Krise – nicht Opfer ist, sondern gestalten kann, die Wahl hat.
Aus dem Spüren dieser Kräfte entsteht schon Sinn an sich. Aber sie sind auch Basis für Sinnfindung im Alltag. Auch hier will die Logotherapie dem Klienten behilflich sein, neue, bereichernde und heilende Sinn-Möglichkeiten zu entdecken.

Die Logotherapie unterscheidet sich also von den herkömmlichen Psychotherapien in der Integration der 3., der geistigen Dimension, neben Körper und Psyche. Ihr Spezifikum ist nicht die Aufdeckung und Bearbeitung der psychischen Barrieren, sondern das Erlebbarmachen der positiven Gefühle. Sie geht davon aus, dass das Erleben eben dieser Kräfte zentral für die Überwindung psychischer und manchmal auch körperlicher Beschwerden ist.

Hierzu bearbeitet die Logotherapie zwar auch die psychischen Barrieren des Klienten, wie z.B. die psychischen Folgen negativer Kindheitserinnerungen. Die Erfahrung hat gezeigt, dass solche psychischen Barrieren die positiven geistigen Kräfte zwar nicht auslöschen, aber verdecken können. Trotzdem gilt: soviel Arbeit an den psychischen Barrieren wie unbedingt nötig, aber mit so deutlichem Schwerpunkt auf der Hinwendung zu den positiven geistigen Grundgefühlen wie irgend möglich.

Die Methoden der Logotherapie sind u.a. die sog. Wertimagination, das dichte Gespräch, logotherapeutische Traumdeutung und Typologie nach dem Enneagramm. So wie hier beschrieben, ist die Logotherapie und & Existenzanalyse eine Weiterentwicklung der von Frankl begründeten Logotherapie. Die Indikationsbereiche dieser eigenständigen Therapieform sind hauptsächlich die sog. existenzielle Frustration (Sinnleeregefühle), die noogene Neurose (eine durch Sinnmangel begründete Depression) und die Veränderung der Haltung zu einem irreversiblen Schicksal bzw. nicht veränderbaren Umständen. In der Weiterentwicklung ist sie auch für deutlich breitere Indikationsbereiche einsetzbar.

„Das Verhältnis von Sinn und Werten besteht darin, dass ich Sinn fühle, wenn ich zu meinen Werten gefunden habe.“

Andrea Mohnsame (angelehnt an Dr. Stefan Peeck, Institut für Logotherapie, Hamburg)